Barbara Wolfart: Prosa & Lyrik
Aus „gedankenspielerisch“
Lass uns aus diesem sanften Schweigen
und stummen Worten eine Hütte baun
die Stille ist ein Dach aus losen Zweigen
durch das wir in den Himmel schaun
*
Lass mich in deinen Traumschutzzonen
für kleine Augenblicke drinnen wohnen
dann würde ich mit allem Urvertrauen
in die Verstecke deiner Seele schauen
*
Ich würd dir gern drei Worte borgen
dann könntest du mir übermorgen
als Balsam für mein Seelenleben
die gleichen drei mir wiedergeben
*
Auf der Strasse packen Kinder hastig bunte Kreiden aus
malen Kästchen Himmel Hölle wie ein riesengroßes Haus
Himmel Hölle hüpfend meistens nur auf einem Bein
heut noch Spiel doch morgen kanns die Liebe sein
*
Aus Tuffstein bau ich dir die Brücke
von mir zu dir und dir zu mir nach Haus
und bricht die Brücke dann in Stücke
dann baun wir uns ein Floß daraus
*
Oft schreibt auch die Liebe schlechte Noten
ihr Band verworren voller unlösbarer Knoten
Worte fehlen wie in einem schlechten Traum
dann lass uns Zeit und gib uns neuen Raum
*
Wenn zwei sich leidenschaftlich lieben
sagt man sind sie auf Wolke sieben
doch kann man leider von dem prallen
Luftgemisch zu schnell herunter fallen
*
Aus „Spuren Zeichen kleine Wunder“
Zeichensprache
Gib mir ein Zeichen wenn Du mich noch liebst
oder falls ich dich kränkte dass du vergibst
wenn meine Worte dich nicht mehr erreichen
weil sie uns verletzen gib mir ein Zeichen
Willst Du unsere Geschichte neu erfinden
vergessene Blätter ins Tagebuch binden
möchtest allein sein oder nur schweigen
mit eine Zeichen versuchs mir zu zeigen
*
Zeit
Man sagt von ihr nachsichtig heilt sie alle Wunden
doch andrerseits verändert sie zu allen Stunden
das Licht die Hoffnung Sicht und Wert der Dinge
und unermüdlich schreibt sie in Bäume Jahresringe
ist nicht bestechlich sondern legt auf alles ihre Spuren
Gesichter Seelen auf Liebende und Sonnenuhren
Manchmal verlier ich sie und selten bleibt sie stehen
auch üb ich täglich mit ihr im gleichen Takt zu gehen
Im Spiegelbild entdeck ich unübersehbar ihre Zeichen
und frag mich oft wie viele Sommer werden reichen
für Träume Spiele Verse Selbstvergessensein
für Feste Freunde Umarmungen und neuen Wein?
*
So wie der Wind durch Gassen fegt
der Mittag Schatten unter Bäume legt
ein See sich kräuselt mit den Brisen
und Schritte gehn durch Sommerwiesen
So zieht sich deine Spur an manchen Tagen
durch viele Stunden bunter Seelenlagen
wie Flieger Streifen in den Himmel weben
so läuft dein roter Faden durch mein Leben
*
Aus „Blaue Federn“
Erlaube mir Libelle
dass ich den Bach
heut Morgen zum Baden
mit dir teile
ich weiß du hast
das größre Anrecht
ist er doch Ursprung
dir und Tummelwiese
Spiegel Sektglas
Hochzeitsbett
Liebeslager und
Wiege deiner Kinder
das Schilf am Ufer
Landeplatz
Zum Dank dafür
werd ich dich dann
bewundern
und von dir lernen
wie du
nach langen Flügen
sehr plötzlich
still zu stehn
so ganz in dich
gekehrt
den Atem
eines kurzen Lebens
für einen kleinen
Augenblick
lang anzuhalten
*
Magische Stunde
hast mir ein Netz
geknüpft aus
flachshellen
Lichtfäden
Kostbarer Moment
hinein zu springen
wissend dass es
mich auffängt
und trägt
*